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Die Realität - Seite 3

Nachdem ich wieder in der Kaserne war, suchte ich plötzlich die Nähe anderer Frauen. Plötzlich ging ich fremd, zockte an Spielautomaten, trank vermehrt Alkohol, warf mir irgendwelches Zeug ein, Beruhigungsmittel, Schlafmittel. Nur um alles das aus dem Einsatz zu vergessen. Ich merkte wie mein Leben aus den Fugen geriet. Ständige Diskussionen mit meiner Frau über Trennung Ja / Nein. Meine Frau erkannte mich nicht wieder und versuchte alles. Sie gab sich selbst die Schuld, dass ich mich so verändert habe. Obwohl Sie selbst aus einem Bürgerkriegsland stammt, kann sie mit dem Problem PTBS nicht umgehen. Meine Ehe wackelt ständig und nur unsere Tochter hält alles zusammen, hierfür mein Respekt! Meine Frau hat kein Vertrauen mehr zu mir, sie macht mir aber keine Vorwürfe. Ich habe keine Geduld bei Diskussionen, viele Dinge sind mir zuviel, manchmal auch die Familie. Die Verantwortung belastet mich bis heute. Sehr oft kommt meine Frau an mich nicht heran, da ich sehr oft sehr kalt, gefühlslos, taktlos und ungerecht zu ihr bin. Aufgrund meiner Schlafstörungen schlafen wir getrennt, dadurch ist das Sexuelle eingeschlafen, ich habe auch kein Bedürfnis danach.

Oft geh ich in den Wald um Ruhe zu finden. Die finde ich dort nicht, immer wieder kommen Erinnerungen vom Einsatz hoch, die Gedanken mit den Behörden. Es gibt Tage, in denen es mir gut geht, es gibt Zeiten in denen es mir sehr schlecht geht, dann würde ich die Augen für immer schließen wollen. Ich scheue Massenveranstaltungen, früher habe ich Dorffeste, Fußballstadien, Theater und Kino besucht, das geht nicht mehr. Die vielen Menschen sind für mich manchmal wie ein Ameisenhaufen, so unruhig, laut, hektisch, das Stimmengemurmel - ich bekomme keine Luft, schwitze und meine Stimmung schlägt in aggressives Verhalten um. Selbst auf ein Staubsauger reagiere ich gereizt. Manchmal trinke ich 4 l Kaffee am Tag. Nach den Klinikaufenthalten bin ich noch schräger drauf als zuvor, hierfür habe ich keine Erklärung.

Fazit:

Am 09.11.2010 unternahm ich den 1. Suizidversuch
Am 10.11.2010 unternahm ich den 2. Suizidversuch, meine Kraft, mein Wille zum Weiterleben war gebrochen, ich wollte nicht mehr und meine Frau bat mich, in das BWK Ulm zu gehen.

Das sogenannte Einsatzversorgungs -Verbesserungsgesetz besitzt viele Versorgungslücken. Der Dienstherr vertritt folgenden Standpunkt: Wir haben etwas gezahlt, alles Weitere geht uns nichts mehr an! Schaut zu wie ihr klar kommt. Es wird von den Politikern immer wieder versichert, dass wir eine tolle Ausbildung erhalten haben. In den Medien wird berichtet, wie toll die Soldaten in den Kriegsgebieten  ausgerüstet sind. Im Vergleich zu anderen Nationen, ist die Bundeswehr für solche Einsatzgebiete schlechter ausgerüstet und schlechter geschult.

Keiner der Politikern fragt nach uns und unseren Familien. Wenn ein deutscher Soldat von Talibanen oder Einheimischen hinterhältig und kaltblütig getötet oder misshandelt wird, schweigt die Presse! Wird ein Taliban oder dessen Familienangehörige getötet, beschimpft die Presse uns als Mörder und es wird wochenlang abfällig darüber geschrieben. Familienangehörige der Talibans, die als Terroristen tätig sind und Menschenrechte verletzen und uns als Soldaten angreifen und töten, bekommen in Deutschland vor der Zivilkammern der Gerichte Recht und Entschädigungen. Diese Entschädigungen werden wieder für Waffen und Anschläge verwendet. Wann zahlt Herr Karsai uns Soldaten und unseren Familienangehörigen Schmerzensgeld und Entschädigungen?

Lasst uns kämpfen, für eine bessere Versorgung aller Soldaten, vor allem gegen ungleiche Behandlung zwischen Zeit- und Berufssoldaten! Ich spreche mich gegen weitere Entsendung deutscher Soldaten in Kriegsgebiete aus!
Lasst es nicht zu, dass eure Väter, Söhne, Töchter ihr Leben geben, wofür sie keinen Schwur geleistet haben und es um fragwürdige Einsätze geht!

 

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