HOME         PTBS         ICH HABE PTBS         REALITÄT         RUHESTÄTTE         NEUIGKEITEN         GÄSTEBUCH    

Ich habe PTBS - 2. Seite

Als wir wieder im Feldlager Prizren eintrafen, war ich wie benommen. Ich nahm vieles nicht mehr wahr, ich war wie in Trance. Die Fragen meiner Vorgesetzten hatte ich nur über das Unterbewusstsein beantwortet. Nachdem diese Befragungen durch meine unmittelbaren Vorgesetzten abgeschlossen war, ging ich auf meine Stube. Ich kam irgendwie nicht herunter, ich war wie auf einen Trip, das Adrenalin, ich spürte, wie es durch meinen Körper schoss. Wenn ich die Augen schloss, kamen die Bilder wieder, Schreie, der metallische Geruch des Blutes, mir wurde schlecht. Während mein nächster Dienst anbrach merkte ich, wie mich all das, was ein paar Stunden vorher geschah, mitgenommen hatte. Ich versuchte mich mit Sport abzureagieren, ich stürzte mich in die Arbeit, ich zog mich von meinen Kameraden zurück, ich suchte Ecken, um meine Ruhe zu haben. In den nächsten Tagen und Wochen merkte ich, wie ich mich veränderte, doch es musste weiter gehen, ich bot meine ganze Kraft auf.

Als mein Einsatz zu Ende ging, fühlte ich mich wie eine ausgequetschte Zitrone. Von dem Tag an, als der Zwischenfall passierte, war ich nicht mehr der Soldat bzw. Mensch, der ich war. Nachdem ich aus dem Auslandseinsatz in die Stammeinheit zurück kam, hatte ich das Gefühl, als ob ich einen zweiten Rucksack mitgebracht hätte. Am liebsten wollte ich in den nächsten Einsatz zurück gehen, um das alles wieder los zu werden. In der ersten Nacht holten mich die Ereignisse ein, Bilder, Schreie, Blut, Leichen und das über Wochen und Monate. Ich spürte wie mein Inneres immer mehr abstumpfte, ich fühlte nichts mehr, keiner kam mehr an mich heran, nicht einmal meine Frau. Ich konnte Sie nicht in die Arme nehmen, ich ging fremd, ich stellte meine Ehe in Frage! Um diesem Druck zu entgehen, ließ ich mich mit dem Teufel Alkohol ein, schniefte mal was, um etwas entspannter zu sein. Es half alles nichts. Bis heute kann ich ihr nicht sagen und zeigen, wie sehr ich sie liebe. Zu diesem Zeitpunkt war mir klar, das es etwas mit dem Einsatz zu tun hatte, ich konnte es mir nicht erklären, es gingen Dinge in meinem Körper vor, die ich nicht steuern konnte.

Ich schämte mich zum Kompaniefeldwebel zu gehen und mir einzugestehen, dass ich etwas vom Einsatz mitgebracht habe, es fühlt sich wie ein Rucksack an. Immer wieder diese Bilder, Gerüche, sehr schrille Schreie etc. Sie holen mich immer wieder ein, diese Alpträume. Im Dienst war ich gereizt, angespannt, lustlos, antriebslos, Angst, Panikattacken wenn ich mich zum Schlafen legte. Teilweise war ich im Dienst überfordert. Während ich meinen Diensten als OvD absolvierte, sah ich meine Dienstwaffe P8 an, sie fühlte sich kalt an, so kalt wie der Tod und mein Inneres. Ich schwankte zwischen der Entscheidung, Hilfe beim Arzt zu suchen oder mir die Kugel zu geben. In diesen Momenten stellte ich vieles in Frage: welchen Sinn ergab es, als Soldat in einen Einsatz zu gehen, um einem fremden Volk helfen zu wollen, wenn dieses Volk es aber gar nicht möchte?
Wie sichert sind wir vor den feindlichen Angriffen, wenn die Vorgesetzten bestimmte Erkenntnisse aus Abhörfunktionen und Informationssammlung nicht ernst nehmen und vieles unter den Teppich kehren? Das Bombenattentat auf einen Bus, in denen deutsche Kameraden auf dem Weg zum Heimflug waren und sich darauf gefreut hatten, ihre ihre Familien und Freunde wiederzusehen. Diese wären noch unversehrt, wenn die Führung reagiert hätte? Nein, alles übers Knie gebrochen um Kosten zu sparen! Ein weiteres Beispiel für das Versagen der Führung: Der Angriff auf das Kloster in Prizren. Es gab Erkenntnisse darüber, dass das Kloster angegriffen wird, es wurde aber versäumt Verstärkung zu ordern.

Dann der Entschluß, der Weg zum Truppenarzt. Seine Diagnose: “Herr Rimpl, Sie haben das Syndrom PTBS, ich werde Sie sofort aus dem Dienst nehmen und in das BWK Hamburg, Abteilung Psychiatrie, einweisen”. Er war so verständnisvoll, mir fiel ein großer Stein vom Herzen. In der Kompanie meldete ich mich ab, ich schämte mich, vor meinen Vorgesetzten, Kameraden.
Ich nahm den Weg mit der Hoffnung auf mich, wieder in den Dienst zurück zu kehren, ich hatte Vertrauen und Hoffnung in die Ärzte im BWK Hamburg.

klicken Sie ein Bild einfach an, um zum Karussell zurück zu gelangen, einfach nochmal auf das Foto klicken
Für diesen Inhalt ist der Adobe Flash Player erforderlich

mailto

IMPRESSUM
KONTAKT